Förderung des Englischunterrichts

Fremdsprachen in Laos

 

 

Laos hatte aufgrund seiner oft extern beeinflussten Geschichte in den letzten 40 Jahren auch eine Vielfalt an Fremdsprachen im schulischen Bereich: als Teil der französischen Kolonie Indochina war bis 1975 Französisch die meist einzige Fremdsprache, die in Schulen gelehrt wurde. Mit der kommunistischen Machtübernahme 1975 und der folgenden Isolation Laos wurden vor allem Sprachen der sozialistischen Bruderländer, wie Russisch oder auch vereinzelt Deutsch gelehrt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kommunismus in Europa fielen auch für Laos diese Partnerstaaten und vor allem Geldgeber weg, mit der Öffnung des Landes in den 1990-er Jahren und der zunehmenden Globalisierung wurde Englisch zur ersten Fremdsprache, die erst in Mittelschulen, seit 2012 aber auch in Grundschulen verpflichtend ist.

Aus diesem Hintergrund und noch weiteren ist es geschuldet, dass das Englischniveau in Laos sehr niedrig ist, außerhalb der Tourismusbranche sprechen wenige Laoten Englisch. Die generelle Lehrerausbildung, aber vor allem die Englischlehrerausbildung an Universität und Lehrercolleges ist, verglichen mit den Nachbarstaaten, sehr schlecht. Neben fehlender Methodik in der Vermittlung einer Fremdsprache ist auch die Aussprache der laotischen Englischlehrer mangelhaft, weshalb die Schüler diese Fehler natürlich übernehmen.

Englischkenntnisse stellen in Laos jedoch eine sehr gute Qualifikation im Berufsleben dar, beispielsweise in der wachsenden Tourismusbranche oder durch Arbeit mit internationalen Unternehmen. Vor allem Unternehmen die in Laos Fuß fassen, haben das Problem dass es ihnen nicht nur an fachlich qualifizierten Arbeitskräften mangelt, sondern auch überhaupt an Arbeitskräften mit Fremdsprachenkenntnis.

 

 

Unterstützung des Englischunterrichts seit 2012

 

Um das Englischniveau von Schülern zu verbessern hatte die Stiftung seit 2012 immer wieder PraktikantInnen aus Deutschland, die zusammen mit den laotischen Lehrern den Englischunterricht interessanter, abwechslungs- und vor allem lehrreicher gestalteten. Trotz des großen Engagements, das von allen PraktikantInnen eingebracht wurde, zeigte sich dass dieser Ansatz nicht sehr nachhaltig war, da der Aufenthaltszeitraum meist zu kurz war um langfristige Erfolge zu erzielen.

Deshalb und aus der Notwendigkeit eines kontinuierlichen und stringenten pädagogischen Konzepts hinter den Maßnahmen begann im Juli 2015 die Kooperation der Stiftung mit der Leiterin des Faches Englisch der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, Prof. Dr. Isabel Martin. Der Ansatz des Praktikantensystems wurde mit ihr rasch zu einem Weiterbildungsprogramm für die laotischen Englischlehrer weiterentwickelt, die schließlich auf lange Sicht selbst einen funktionierenden Unterricht gewährleisten müssen. Mit dem teach-the-teacher Ansatz entstand im September und Oktober 2015 das Pilotprojekt „Teaching English in Laos“ zwischen der Stiftung und der PH Karlsruhe: Prof. Martin entwickelte ein breit angelegtes Weiterbildungskonzept mit speziell für Laos ausgesuchten Methoden, Materialien und Inhalten. Ein Team aus fünf freiwilligen Alumni der Hochschule, welche von ihr im Vorfeld in Seminaren und Workshops vorbereitet wurden, begann vor Ort mit der Umsetzung des Konzepts.

In der Pilotphase von Ende Oktober 2015 bis Anfang Januar 2016 wurden systematisch die laotischen Englischlehrer in festen Tandems von den deutschen Volontären weitergebildet. Je ein Volontär betreute dabei zwei laotische Lehrer, in individuellen teacher lessons mindestens eine Stunde am Tag. Die Volontäre hospitierten im Unterricht mit gemeinsamer Evaluation im Anschluss, führten regelmäßige activities durch, sowie gemeinsame workshops und Prüfungen. Die Erfolge wurden schnell ersichtlich, durch den Fokus der Arbeit der Volontäre auf die Lehrer und nicht primär die Schüler, konnten die Lehrer sich schneller verbessern und ihr Gelerntes direkt an ihre Schüler weitergeben. Das Ziel der zu erreichenden Nachhaltigkeit scheint mit diesem Ansatz besser realisierbar, weshalb das Programm kontinuierlich weiterentwickelt wird. Zur Festigung der Kooperation zwischen Stiftung und PH Karlsruhe wurde am 15. Dezember 2015 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, in dem die Schritte für die Zukunft festgelegt wurden.

 

 

Einbindung in das laotische Bildungswesen

 

Durch die vielfältigen Kontakte während der Pilotphase mit Institutionen des laotischen Bildungsbereichs, wie beispielsweise der National University of Laos, dem Teacher Training College Dongkhamxan, dem Research Institute for Educational Sciences und dem Ministry of Education and Sports entwickelte sich das Pilotprojekt auch zu einem landesweiten Bildungsprojekt. Durch den regelmäßigen Austausch mit diesen Institutionen soll die Arbeit in den Schulen der Stiftung auch dazu dienen, den Englischunterricht in ganz Laos effektiver zu gestalten. Dies kann beispielsweise die Zusammenarbeit bei der Gestaltung des Curriculums für das Fach Englisch, die Verbesserung der Lehrwerke aber auch auch die Lehrerausbildung an den Hochschulen umfassen.

Um das Anliegen, nicht nur in den Schulen der Stiftung effektiven Englischunterricht zu gewährleisten, sondern mit der geleisteten Arbeit auch dazu beitragen zu können, landesweit den Unterricht effektiver zu gestalten, wurde das Projekt auch der höchsten Ebene des laotischen Bildungsministeriums vorgestellt. Am 05. Januar 2016 besuchte der laotischen Vize Bildungsminister Assoc. Prof. Dr. Kongsy Sengmany mit Mitarbeitern seines Ministeriums die Schulen der Stiftung um sich über das Projekt zu informieren. Neben dem plakativen Abschluss der Pilotphase durch diesen hochrangigen Besuch, verdeutlicht er vor allem den sich vergrößernden Anspruch der Stiftung im laotischen Bildungswesen: die bereits bestehende, bauliche Infrastruktur und das funktionierende Schulumfeld sollen genutzt werden, um mit fachlicher Unterstützung aus Deutschland auch die „geistige Infrastruktur“ beispielsweise in Form effektiverer Methoden zum Fremdsprachenerwerb weiterzuentwickeln, und diese Ergebnisse landesweit wirken zu lassen.

 

Die weiteren Hintergründe zur Kooperation, der bisherige Projektverlauf, Veröffentlichungen, Berichte zu workshops und vieles mehr finden Sie auf dem englischsprachigen Blog

The Laos Experience der Stiftung gemeinsam mit der PH Karlsruhe.